Philosophie
„Sei auf der Hut, wenn das Gleichgewicht der Dinge gestört ist“ Tao Te King
Unser Leben und unsere Gesundheit sind abhängig davon, dass wir über genügend Lebensernergie (Qi) verfügen. Von unseren Eltern erhalten wir die Erbenenergie (Jingqi), die in den Nieren gespeichert wird. Sie ist die einzige Energie, die im Laufe des Lebens nicht erneuert werden kann, deshalb sollten wir in unserer Lebensführung darauf achten, nicht „über unsere Vehältnisse“ zu leben, damit der Vorrat an dieser Lebensenergie möglichst wenig angetastet wird. Die Nahrungenergie (Guqi) wird von Magen, Milz und Pankreas aus der Nahrung gewonnen und an den Körper weitergegeben. Die Lungen nehmen Atemenergie (Daqi) auf. Je besser ich mich ernähre und je bewusster ich atme, desto besser ist mein Körper mit Qi versorgt. Dazu kommt das Shenqi, das aus meinen guten Beziehungen zur Familie, zu Freunden, zu meiner Umwelt und zur Natur gewonnen wird. Aus diesen Quellen bildet die Lunge das Weiqi, das Abwehrqi.
Ursachen für entstehende Disharmonien sind falsche Ernährung, oberflächliche Atmung, körperlicher und seelischer Stress.
Ist die Harmonie des Körpers gestört, wird das Weiqi geschwächt und der Körper wird anfällig für äußere pathogene Faktoren wie Wind, Hitze, Feuchtigkeit, Trockenheit und Kälte.
Auch die fünf schädlichen Emotionen, Wut, Sorge, Trauer, Kummer und Angst können das Weiqi nachhaltig schädigen, wenn sie nicht reguliert werden. Nach dem Schichtenmodell der TCM findet die Disharmonie zunächst in der äußeren Schicht statt, gehäufte und chronische Infektionen sind erste Hinweise für eine Schädigung des Weiqi.
„Sieh das Kleine als groß und das Wenige als viel, tritt Schwierigkeiten entgegen, solange dies noch leicht ist. Vollbringe das große Werk durch die Folge kleiner Handlungen.“
Wird das Weiqi chronisch geschwächt, kann die Krankheit tiefer in den Körper eindringen. Diese Phase drückt sich durch chronische Krankheiten aus, welche die Lebensqualität erheblich mindern. Auf dem Weg in den Körper überwältigt die Krankheit zunächst das Weiqi, erschöpft dann die Qi-Reserven und kommt so ins Zentrum auf die Ebene des Blutes. Diese Krankheiten betreffen den ganzen Menschen und behindern seine Aktivitäten. Auf dieser Ebene ist es wichtig, dass der Mensch lernt, der Krankheit nachzugeben, um von ihr zu lernen. Was will diese Disharmonie mitteilen, wo muss eine grundlegende Änderung in Denken und Handeln erfolgen, um zur Harmonie zurückzukehren? Zuletzt befällt die Krankheit die Organe. Kreativität und Ehrgeiz versiegen, das Denken ist verwirrt und der Lebenswille kann schwinden. Gefühle von Angst, Trauer und Wut überkommen den Kranken, was Geist, Körper und Immunsystem zusätzlich belastet.
Bedrohlich aber wird eine Krankheit erst, wenn der Kranke die Hoffnung verliert. Er sollte die Krankheit als Freud ansehen, als Hindernis, das überwunden werden kann, wenn er den Weg des geringsten Widerstandes folgt. Als Gleichnis sollte man sich am Verhalten des Wasser orientieren. Wenn das Flussbett durch ein Hindernis blockiert wird, hält das Wasser inne und sammelt Kraft und Stärke, es steigt an und kann das Hindernis umfließen. Innehalten, Kraft sammeln, Hilfe annehmen und dann das Hindernis umgehen, das ist der richtige Umgang mit Krankheit. Jeder Mensch trägt den Weg zur Heilung in sich, er muss ihn nur finden und dabei unterstützt werden.

